Trafen sich im Mai im Stadtweinhaus Münster: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie "Das bringt Bio&Fair für die Region!". V. l. n. r. Paul Engemann vom Biolandhof Engemann, Dr. Anke Schekahn vom BioFairVerein, Bäckermeisterin und cibaria-Geschäftsführerin Rike Kappler, Tobias Kleinsorge von der Upländer Bauernmolkerei und Prof. Dr. Christian Kammlott vom Umwelt-Campus Birkenfeld.  

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Bio, fair & regional

Es macht einen Unterschied. Wenn Unternehmen versuchen, möglichst fair und mit regionalen Vernetzungen zu wirtschaften. Und zwar nicht nur einen gefühlten. Das haben wir jetzt schwarz auf weiß. Bio&Faire Wertschöpfungsketten in Regionen – so heißt das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderte und vom Verein FairBio begleitete Projekt, das in den letzten Monaten ermittelt hat, was eine ganze Region konkret davon hat, wenn Bio-Unternehmen fair und ortsbezogen handeln. Mit dabei: cibaria. Zusammen mit drei anderen Firmen haben wir uns gläsern gemacht. Was dabei herauskam, ist erstaunlich.

Verantwortung für die Region übernehmen

Durch regionale Unternehmen bleiben nicht nur Löhne und Gehälter bei den Menschen vor Ort.  Bio-Unternehmen wie cibaria sichern durch ihre Nachfrage und durch langfristige Verträge hiesigen Bio-Landwirten ihr Auskommen im Ökolandbau. Bäckermeisterin und Geschäftsführerin Rike Kappler: „Unser Motto ist: Wir kaufen das Nächste, nicht das Billigste. Deshalb beziehen wir unser Getreide direkt aus dem nahen Umland. Das gilt auch für das meiste Obst und Gemüse, das wir in unserer Bäckerei saisonal verarbeiten. Auch andere Aufträge vergeben wir in Münster oder in die Region: Die Getreidereinigung übernimmt ein Ökobetrieb im Münsterland, die Arbeitskleidung aus der Bäckerei lassen wir von einer sozialen Einrichtung in Münster waschen.“

Zum Wir gehören Partnerinnen

Zur Geschäftsphilosophie von cibaria gehört auch die Unterstützung von lokalen Initiativen. Seit Jahren wird zum Beispiel das multikulturelle Münsteraner Jugendtheater Cactus gesponsert. Von den Kooperationen mit dem Fachbereich Ökotrophologie und Nachhaltigkeit der Fachhochschule Münster profitieren sowohl Wissenschaft als auch Handwerk. Dazu Rike Kappler: „Für uns ist die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Handwerk sehr zielführend, so zum Beispiel beim Projekt ‚Die Eindämmung von Abfällen in der Bäckerei‘ oder die Bilanzierung nach der GemeinwohlÖkonomie“.

Orientierung für Verbraucherinnen und Politik

Um herauszufinden, wie die die Stadt Münster und das Umland von cibaria profitieren, haben Wissenschaftler vom Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier entsprechende Berechnungen durchgeführt. Sie zeigen: ein sehr hoher Anteil des jährlichen Umsatzes wird in einem 100 km-Umkreis um das Unternehmen ausgezahlt. Der regionale Wertschöpfungsbeitrag ist mit 84 % in einem Umkreis von 100 km sehr hoch.

Die Wissenschaftler haben auch aufgesplittet, wie das Geld verteilt ist. Etwas über 20 % davon erhalten die Bio-Landwirte, die die Rohstoffe liefern, aber der weitaus größte Posten sind die Personalausgaben mit über 50 %. Das ist kein Wunder, denn ein Unternehmen, das Getreide zu Brot und Kuchen verarbeitet, hat natürlich einen höheren Personalaufwand als der Bio-Landwirt, der das Getreide anbaut.

Doch bei cibaria kommt noch etwas hinzu: der Qualitäts- und Regionalitätsanspruch der ökologischen Bäckerei. Der Ansatz, möglichst Rohstoffe aus der unmittelbaren Region zu verarbeiten, ist für die Bäckerei eine Herausforderung. Denn die Qualität von Getreide kann von Ernte zu Ernte schwanken. Das gilt vor allem für die Backfähigkeit. „Um mit solchen Schwankungen umgehen zu können und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen guter Backfähigkeit und gutem Aroma herzustellen, braucht es viel berufliche Erfahrung und handwerkliches Können. Das können ungelernte Arbeitskräfte nicht leisten und auch keine Menschen, denen egal ist, was sie arbeiten. Daher brauchen wir engagierte, ausgebildete Fachkräfte und natürlich sind die Personalkosten dadurch höher“, erklärt die Bäckermeisterin Rike Kappler.

Der ‚Regionalwert‘ des Unternehmens

Zum Projekt „Bio&Faire Wertschöpfungsketten in Regionen“ gehörte auch die Frage, welchen Wert ein Unternehmen für alle diejenigen in der Region hat, die von dem Unternehmen profitieren, also das Personal durch Löhne und Gehälter, die Gemeinde durch Steuern, die Lieferanten durch Umsatz usw. (die sogenannten Stakeholder). Wissenschaftler des Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier haben sich darangemacht, hierfür einen Ansatz zu entwickeln. Sie haben sich dabei an Verfahren zur klassischen Unternehmensbewertung orientiert. Dabei wird in die Zukunft gedacht und die vom Unternehmen geschaffenen Wertbeiträge für alle Stakeholder berechnet sowie mit finanzmathematischen Verfahren gewichtet. Die Summe daraus bildet den ‚Regionalwert‘ eines Unternehmens. Das heißt: der so ermittelte Regionalwert spiegelt nicht den Wert des Unternehmens für die Eigentümer oder Gesellschafter wider, sondern er bildet die vom Unternehmen geschaffenen Wertbeiträge für alle Stakeholder ab.

Nach diesen Berechnungen hat die ökologische Vollkornbäckerei cibaria einen ‚Regionalwert‘ in Höhe von mindestens 21 Mio EUR bezogen auf einen Umkreis von 100 Kilometern.

Alle Hintergründe und Ergebnisse der Studie finden Sie auf www.biofair-vereint.de