Frische Brise

07. August 2020  Susanne S.

Fenster auf, Luft raus! So wurden vor hundert Jahren noch ofenwarme Backstuben belüftet. Mehr oder weniger erfolgreich. Mit der einströmenden frischen Luft düsten gerne Insekten in das verlockende Land von Getreide und süßen Früchten. Auch Staub und freche Mäuschen verschafften sich Zugang, während die Bäckersleute schwitzend in der Zugluft standen. Das kriegt man heutzutage besser hin. Für jede größere Backstube wird - wie auch bei cibaria an der Bremer Straße - inzwischen eine individuelle Lüftungsanlage konzipiert. Luftmanagement nennt sich dies, und der Manager unserer Luft heißt Lucas Rohlfing. Der Bauleiter der Firma GlasMetall AIRTEC erklärt, was an unserer neuen Anlage am Hafen besonders umweltfreundlich und spannend ist.  

Herr Rohlfing, Ihr Unternehmen hat sich auf Lüftungsanlagen für Backstuben spezialisiert. Was muss so ein System können?
Es soll Frischluft gezielt dorthin bringen, wo ich sie brauche und wie ich sie brauche. In einer Backstube haben wir extreme Bedingungen. Damit ein Mensch hier glücklich und zufrieden arbeiten kann, muss die feuchtwarme Luft raus, denn sie kann nachhaltig der Gesundheit schaden und schafft außerdem Hygieneprobleme. Zu trocken darf die Luft allerdings auch nicht sein, damit die Teiglinge auf den offenen Blechen nicht verhauten; das würde Schwierigkeiten beim Backen bereiten. Die Lösung ist, wie immer im Leben, die gesunde Mitte.

Für Belüftungsanlagen gibt es verschieden Techniken. Welche haben Sie für cibaria umgesetzt?
Die neue Anlage von cibaria saugt die verbrauchte Luft raus, während die Frischluft gezielt durch textile Luftverteilsysteme einströmt. Diese genähten Luftsäcke lassen vollflächig Luft durch, schön langsam, damit kein Zug entsteht. Gegenüber Blechkanalsystemen bieten sie außerdem den Vorteil, dass man sie leicht abnehmen und waschen kann; so haben Keime keine Chance.

Was macht die neue Anlage so effizient und umweltfreundlich?
Durch eine besondere Regelungstechnik reduzieren wir den Warmwasserverbrauch der Bäckerei. In einer Backstube entsteht unglaublich viel Wärme, die im Normalfall ungenutzt aus dem Gebäude geleitet wird. Wir fangen sie anteilig auf und vermischen diese warme, feuchte Luft mit der einströmenden Frischluft. Dadurch wird cibaria den Großteil des Jahres kein Warmwasser benötigen, um die Heizung zu aktivieren. Ganz nebenbei bleiben die Teiglinge elastisch.

Im Dach der Backstube haben Sie ein Lichtband installiert. Was hat das mit Belüftung zu tun?
In der Tat verbinden wir verschiedene Gewerke in dieser Anlage, und das macht sie wirklich einzigartig. Die Tageslichttechnik im Dach sorgt für natürliche Sonneneinstrahlung, was sehr angenehm für das Team von cibaria ist. Aber sie kann mehr. Wir haben dort Mehrzwecklüfter als natürliche Abluftsysteme eingebaut, die immer geöffnet sind. Durch sie kann das Plus an Luft, das durch das Vermischen entsteht, durch Überdruck entweichen, ganz ohne zusätzlichen Stromverbrauch für Ventilatoren. Weil es in Münster angeblich regnet, wenn nicht gerade die Glocken läuten, haben wir die Lüfter zusätzlich mit ausreichend regentauglichen Mini-Klappen versehen; sicher ist sicher.

Interview: Susanne Sparmann
Foto Luftverteilsystem cibaria: Ralf Emmerich
Foto Lucas Rohlfing: privat

 

Der Artikel wurde bisher noch nicht kommentiert.

0 Kommentare

Der Artikel wurde bisher noch nicht kommentiert.

Über diesen Blog

Die BioVollkornBäckerei cibaria aus Münster ist im Sommer 2020 mit ihrer Backstube und Konditorei im Münsteraner Hafen vor Anker gegangen. Hier schreibt Sophia Siemes über das Zukunftsprojekt „Hafenbackstube“. Die Bilder liefert Ralf Emmerich.