Mit Slow Food gegen Genfood


Slow Food

1989 wurde Slow Food gegründet. Das internationale Netzwerk kämpft gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel, für eine Stärkung der regionalen Produzenten und den Erhalt traditioneller Produkte und Handwerkskunst.

Als ökologisch-biologische Vollkornbäckerei fühlen wir uns den politischen Zielen von Slow Food verpflichtet. Denn Slow food ist viel mehr als Genusskultur.

Bio-Bauern schaffen es nicht allein
Der Widerstand gegen Genfood ist keine Randerscheinung im Ökolandbau, sondern braucht eine breite Basis und eine große Öffentlichkeit. Carlo Petrini, der Präsident des internationalen Netzwerks Slow Food, hat dies auf der BioFach 2007 in Nürnberg mit einem bemerkenswerten Aufruf formuliert. Wie John F. Kennedy bei seinem legendären Besuch in Berlin („Ik bin ein Berliner"), so solle jeder sich im Kampf gegen Genfood solidarisieren und sagen „Ik bin ein Biobauer!" Bemerkenswert ist dieser Satz, weil er auf den Punkt bringt, was Slow Food International fordert: Ein Bündnis von Produzenten und Co-Produzenten. Wer wisse, wo die Lebensmittel herkommen, wie und von wem, unter welchen Bedingungen und mit welchen Folgen sie produziert werden, sei nicht mehr „Verbraucher" im eigentlichen Wortsinn, sondern „gebrauche" und sei mitverantwortlich für die Produktion.

Geschmack ist keine Geschmackssache
Von Slow Food International und Slow Food Italien lässt sich lernen, dass Geschmack keine Geschmackssache ist und das internationale Netzwerk vor allem für politische Lobbyarbeit, den Kampf gegen gentechnisch veränderte Nahrungsmittel, gegen die Anwendung von Pestiziden, für die Sammlung und Erhaltung des Wissens um lokale Anbau- und Verarbeitungsmethoden und für Biodiversität steht. Mit den Worten von Carlo Petrini: „Es ist sinnlos, einen Wein oder den Geschmack eines Brotes zu loben, ohne die Produktionsweise zu kennen." Wer Slow Food lediglich als Genießer-Netzwerk darstellt, wird seiner Geschichte und seinen Zielen nicht gerecht. Carlo Petrini definierte 2006 die Grundbegriffe der "Neuen Gastronomie" als Maßstab: Buono, pulito e giusto - Gut, sauber und fair. Wenn ein Element fehle, sei das nicht Slow Food.

„European Hero of the Year"
Slow Food wurde 1989 in Rom gegründet. Auslöser war die Eröffnung einer McDonald's-Filiale an der Spanischen Treppe. Der Journalist Carlo Petrini ist als Gründer der Bewegung bis heute ein charismatischer Impulsgeber für die Bewegung, die in über 80 Ländern vertreten ist und 90.000 Mitglieder hat. 2004 wurde er von der US-Zeitschrift "Time" als „European Hero of the Year" ausgezeichnet, weil er einer der Menschen sei, die "mit großer Beharrlichkeit fast unmögliche Projekte verwirklichen". Slow Food ist Veranstalterin von bedeutenden Fachmessen im Bereich Nahrungsmittel wie zum Beispiel der "Cheese" in Bra und des "Salone del Gusto" in Turin, die alle zwei Jahre stattfinden. 2004 gab es erstmals parallel zum Salone del Gusto "Terra Madre", ein Treffen von 4600 Bauern aus aller Welt, das 2006 zum zweiten Mal stattfand.

Wertschätzung für die Mutter Erde
Was ihn antreibt, beschrieb Carlo Petrini 2004 in einem Interview mit der österreichischen Zeitung Standard so: "Mich treibt die Neugier. Ich bin gerne unterwegs, um Neues zu entdecken. Und die Begegnung mit Menschen empfinde ich als Bereicherung. Das habe ich von meinem Vater, der ein kommunistischer Eisenbahner war. Meine katholische Mutter war eine leidenschaftliche Gärtnerin. Von ihr stammt meine Wertschätzung für die Mutter Erde."

Von Carlo Petrini ist in deutscher Sprache erschienen:
Slow Food. Genießen mit Verstand, 212 Seiten, Rotpunktverlag, Zürich 2003, ISBN-13: 978-3858692634

www.slowfood.com