Der Vanille-Wahnsinn

Vom Lebensmittel zum Luxusgut

Wunderbare Vanille! Neben Zimt und Nelken verwöhnt sie uns in der Weihnachtszeit mit ihrem unnachahmlichen Aroma. Natürlich setzen wir in unserer Backstube die echte Vanille aus Madagaskar das ganze Jahr ein – in feinster Bio-Qualität. Weniger schön: Die Preise für die Orchideenfrucht sind explodiert und ein Ende der Preisspirale erstmal nicht in Sicht. Woran liegt das eigentlich? Und was bedeutet das für uns?

Die Vanille macht sich rar. Der Markt ist leergefegt, und wer etwas ergattert, muss tief in die Tasche greifen: Der Kilopreis für die echte Bourbon-Vanille ist innerhalb der letzten Jahre von 30 auf bis zu 1.500 Euro gestiegen.

Die Ursachen liegen zum einen in Missernten im wichtigsten Anbauland Madagaskar, wo 80% des weltweiten Vanillebedarfs angebaut wird. Hier gibt es die gute und bewährte Bourbon-Qualität. Auch wir bekommen unsere Bio-Vanille aus drei Kleinbauern-Kooperativen in Madagaskar, die für unseren Lieferanten Heuschrecke anbauen. „Grundsätzlich gehört Vanille wegen der aufwändigen Bestäubung und Fermentierung zu den kostbarsten Gewürzen“, erklärt man hier. „Vor ein paar Jahren war sie entschieden zu billig, sodass sogar Bauern aufgehört hatten.“

Die Spekulanten wurden hellwach

Gleichzeitig zur schlechten Ernte aufgrund eines Wirbelsturms ist die Nachfrage durch den Trend zu natürlicher Ernährung weiter gestiegen. In der Folge wurden die Käufer nervös und die Spekulanten sowie Händler hellwach. Als sie bemerkten, dass der Vanillepreis von Woche zu Woche stieg, hielten sie die Ware zurück, um den Gewinn weiter zu maximieren. Mit Erfolg. Einige große konventionelle Unternehmen, die unbedingt Vanille für ihre Produktion benötigten, begannen jeden Preis zu zahlen und bemühten sich auch um Bio-Ware; im Moment kaufen sie komplette Ernten im Voraus auf.

Ein Luxusproblem für ein Luxusgewürz? Keineswegs. Die gleichen Mechanismen greifen auch bei Grundnahrungsmitteln, wenn die Umstände entsprechend sind. Und diese Umstände treten aufgrund einer steigenden Weltbevölkerung gepaart mit Ernteeinbrüchen durch den Klimawandel immer häufiger ein. Während wir uns die höheren Preise im Zweifel leisten können, sind sie für Menschen in ärmeren Teile der Welt lebensbedrohend.

Preise hoch, Qualität runter

Eine ebenso zwiespältige Entwicklung ist das sog. Landgrabbing: Internationale Lebensmittel-Konzerne kaufen sich Land, um über die benötigten Mengen und Preise die Kontrolle zu behalten. Schließlich gibt es noch das Phänomen des Panschens, bei dem verdünnte Ware mit geringstem Vanillingehalt zu Geld gemacht wird.

Wir von cibaria beobachten all diese Entwicklungen sorgenvoll. Dabei haben wir Glück. Wir konnten uns rechtzeitig Vanille-Vorräte von erstklassiger Qualität sichern. Doch für wie lange? Zum jetzigen Zeitpunkt ist auf dem Weltmarkt keine Entspannung in Sicht. Gleichzeitig ist zu hoffen, dass es nicht wieder zu einem plötzlichen, bodenlosen Preisverfall kommt, damit die Vanillebäuerinnen und -Bauern, die nun wieder vermehrt anbauen, sich langfristig auf einem gesunden Einkommens-Niveau stabilisieren können.