Interview: Aus der Tiefe der Rohstoffe

Wie Maria Stoverink die Zukunft von cibaria mitgestaltet

Ein neues Gesicht? Nicht ganz. Maria Stoverink ist uns und einem unserer süßen Highlights bereits seit ihrer Studienzeit an der Fachhochschule Münster verbunden. Dass sie jetzt als Ökotrophologin cibarias Leitungsebene bereichert - anstatt die große Industrie - liegt daran, dass wir nicht nur die Vorliebe für Kuchen teilen. Gemeinsame Werte machen cibaria als Arbeitgeberin für junge Menschen attraktiv.

cibaria: Maria, du und der MohnApfelStreusel von cibaria, euch eint eine ganz besondere Geschichte. Was hat es damit auf sich?

Maria Stoverink: Ich habe 2012 meine Bachelorarbeit der Lebensmitteltechnologie über den MohnApfelStreusel von cibaria geschrieben. Genauer gesagt über die Frage, wie man Milch, Butter sowie Ei ersetzen und ihn vegan backen könnte.  

Ist es dir gelungen?

Ja tatsächlich, nach unzähligen Versuchen hier in der Konditorei. Backpulver, Öle – ich habe mit verschiedensten Zutaten experimentiert. Besonders knifflig war die Biskuitschicht, weil die Stabilität durch das Ei fehlte. Irgendwann konnte ich die Geschmackstests nicht mehr alleine bewältigen; meine ganze Wohngemeinschaft musste helfen. Schließlich entschied ich mich für einen Mürbeteig. cibaria übernahm und verfeinerte die Rezeptur. Jetzt ist der MohnApfelStreusel also vegan und auch der Linzer Apfel wurde umgestellt.

Seit deinem Studienabschluss als Oecotrophologin bist du in fester Anstellung bei cibaria. Dir hätten auch andere Türen in großen Unternehmen offen gestanden. Was hat dich zu dieser Entscheidung motiviert?

Die Philosophie, die cibaria verkörpert, passt einfach zu meiner Lebenseinstellung: Nachhaltigkeit, Fairness, das Schonen von Ressourcen, die Liebe zum Handwerk. Natürlich könnte ich mich auch dafür entscheiden in die Industrie zu gehen. Aber dann würde ich mir und dem was mir wichtig ist nicht treu bleiben.

In naher Zukunft sollst du die Verwaltungsleitung von cibaria übernehmen. Wie groß ist der Sprung vom Studium der Rohstoffe zur organisatorischen Ebene?

Gar nicht so groß. Mein Studienschwerpunkt war nachhaltige Dienstleistung und Ernährungswirtschaft. Da sind wir schon mitten im Thema. Im Moment überarbeite ich bei cibaria die Nährwertangaben, befasse mich mit Qualitätsmanagement und schaue mir viele kleinteilige Arbeitsprozesse an. Dabei stelle ich mir die Frage: Wie können wir diese Schritte effizienter und einfacher für alle gestalten?

Viele dieser Strukturen sind in 28 Jahren organisch gewachsen. Mit dir als junge Frau ziehen jetzt neue Impulse ein. Was denkst du, wohin geht die Reise?

cibaria verändert sich. Die Firma wächst und nimmt mit dem Umzug zum Hafen ihren Platz in vorderster Reihe ein. Ich denke, dies ist die großartige Chance und die Herausforderung eine Marke zu werden, die sich alle, die sich mit ökologischen und sozialen Werten identifizieren, leisten können und auch leisten wollen.

Ist das Neue immer das Bessere?

Durchaus nicht. Im Gegenteil. Ich sehe es für mich als besonders wichtige Aufgabe an, aus dem Bewährten zu schöpfen. Gerade die älteren Kolleginnen von cibaria verfügen über einen Wissensschatz, der nicht verloren gehen darf. Ich unterhalte mich lange mit ihnen, lerne viel und schaue ganz genau, was wir behalten oder sogar wiederbeleben sollten.

Soweit der interne Prozess. Wo siehst du deine Aufgabe, wenn es um darum geht, die Menschen deiner Generation zu erreichen? 

Ich bringe studienbedingt einen Wissenspool aus der Tiefe der Rohstoffe mit. Und ich sehe: In unserer globalisierten Wirtschaft weiß kaum noch jemand, wo all diese Rohstoffe herkommen, die wir möglichst billig kaufen wollen. Ich möchte mich für gesunde und transparente Wertschöpfungsketten stark machen. Ja, es kostet vielleicht ein wenig mehr „Bio“ und „regional“ zu kaufen. Aber es ist nur fair, dass diese Rohstoffe kosten, was sie wert sind. Und wie schön ist es, wenn man weiß, dass dieses Geld bei den Landwirten selbst ankommt und nicht irgendwo auf der Strecke bleibt.

Kein cibaria-Interview ohne die Frage nach dem Lieblingsbrot. Deines ist?

Das neue Emmerbrot. Es schmeckt unvergleichlich leicht, ein wenig nussig, fast schon fruchtig. Ein einzigartiges Brot, das man unbedingt probiert haben sollte.

 

Interview: Susanne Sparmann