Interview: Die große Lust auf Süßes

Julia Glauch – Konditorin bei cibaria

Oft sieht man ja an den Händen, was ein Mensch im Leben tut. Die Hände von Julia Glauch sind milchweiß und blütenzart. Kein Wunder. Einen guten Teil des Tages verarbeitet sie in der Konditorei von cibaria geschmeidige Massen aus Butter, Sahne oder Olivenöl. Das Abitur hätte die junge Frau dafür eigentlich nicht gebraucht. Trotzdem: Der Beruf der Konditorin ist ihr Traumberuf. Und wann fühlt sich der am besten an?

cibaria: Julia, Vollmilch oder Zartbitter?

Julia Glauch: Vollmilch!

Warst du schon immer auf der süßen Seite?

Absolut. In meiner Familie wird dauernd gebacken. Jedes Kind bekommt seine eigene Geburtstagstorte, und an Weihnachten gibt es immer viel zu viele Plätzchen – das volle Programm.

Nach dem Abi standen dir alle Wege offen. Was hat dich am Beruf der Konditorin gereizt?

Das Handwerk. Zupacken, was schaffen. Wenn du den Kuchen anschlägst und mit der Hand direkt in der Masse aus Butter, Mehl und Eiern arbeitest - das ist ein tolles Gefühl. 

Weitere Glücksmomente deines Tages?

Alles, was mit Kuvertüre zu tun hat: verstreichen, überziehen, ausgarnieren (fachspr. für Verzieren, d. Red.). Bei cibaria gibt es die sog. Weihnachtsschicht, die ich hoffentlich auch in diesem Jahr mitmachen darf. Sie startet erst, wenn alle Gebäcke fertig und erkaltet sind. Dann beginnt das große Fest des Überziehens mit Kuvertüre – herrlich!

Was denkst du, welche Eigenschaften sollte man für den Beruf der Konditorin mitbringen?

Geschicklichkeit und Lust zum Üben. Am meisten lernt man sowieso durch die Fehler, die man macht. Dann heißt es Dranbleiben, bis es klappt.

Deine Ausbildung hast du in einer konventionellen Konditorei absolviert. Was ist hier im Bio-Betrieb anders?

Die Rohstoffe sind komplett unterschiedlich. Wenn du zum Beispiel einen Mürbeteig mit reinen Bio-Produkten ohne Zusatzstoffe ausrollst, dann ist das eine ganz andere Herausforderung als im konventionellen Bereich. Auch das Backverhalten der Produkte ist anders. Ich lerne bei cibaria richtig viel dazu. 

Wo erlebst du weitere Unterschiede?

Im Zwischenmenschlichen. Hier interessiert man sich für den ganzen Menschen und nicht nur für seine Arbeitskraft. In den letzten Tagen hatte ich Rückenprobleme und musste mich ein paar Tage schonen. Die erste Frage lautete „Wie geht es dir?“ und nicht etwa „Wann kannst du wieder arbeiten?“

Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Solange wie möglich hierbleiben. Klar, jede Konditorin träumt davon, irgendwann eine eigene Konditorei zu betreiben. Aber ich bin realistisch; das Risiko ist mir zu hoch. Ansonsten ist für mich Familie wichtig. Ich finde es gar nicht selbstverständlich und sehr beruhigend, dass cibaria Mitarbeiterinnen darin unterstützt, Beruf und Familienplanung in Einklang zu bringen.

Kein cibaria-Interview ohne die Frage nach dem Lieblingsbrot. Natürlich dürfen Konditorinnen auch ihren Favoriten unter den Kuchen nennen.

Ich mag besonders das fruchtige NussApfel-Brot und die Linzer Apfelschnitte aus Mürbeteig – saftig lecker!

 

Interview: Susanne Sparmann

 


Julia Glauch

Die gebürtige Wuppertalerin kam nach Münster, weil die Konditoreien der Stadt einen ausgezeichneten Ruf haben. Bei Mönnig an der Hammer Straße lernte sie den Beruf. Anschließend sammelte sie Erfahrung im À-la-carte-Restaurant Hochstapler, wo sie für die Nachtische zuständig war. Seit einem Jahr, einem Monat und einigen Wochen bereichert sie das Team von cibaria.