Interview: „Es eröffnen sich Welten“

cibarias neue Mitarbeiterin Sophia Siemes im Gespräch

Eine Teamstärke von 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und ein riesiger Koffer voller Zukunftspläne: Zeit für Unterstützung in den Bereichen Marketing und Vertrieb. Seit ein paar Monaten ist Sophia Siemes bei cibaria. Mit ihr zieht eine Frau der nächsten Generation in unsere Leitungsebene ein. Sophia studierte Unternehmenskommunikation, arbeitete u. a. bei einer Werbeagentur und beschäftigt sich damit, wie man sich strategisch für die Bedürfnisse eines Unternehmens einsetzt. Klingt zackig? Nun, nicht nur Kommunikation, auch cibaria wirkt. Umgeben von gesunden Zutaten und einem aufmerksamen Miteinander erlebt die 31-Jährige gerade Wohlgefühl und Sinnerfüllung als wichtige Faktoren der Marke cibaria. Auch darüber reden wir.

cibaria: Sophia, was führt dich in ein Bio-Unternehmen?

Sophias Siemes: Ich bin mit Biothemen und Biolebensmitteln aufgewachsen. Eines der wichtigsten Geräte in der Küche meiner Eltern war die Getreidemühle. Außerdem ist mir Ehrlichkeit sehr wichtig. Ich habe das Gefühl, dass es Bio-Unternehmen wichtiger ist wirklich ehrlich zu sein.

Was hat bei dir den Ausschlag für cibaria gegeben?

Ich habe mich hier sofort wohlgefühlt. Vorher kannte ich nur rein theoretisches Arbeiten. Hier hast du ein Produkt in der Hand, mit dem du Menschen versorgst. Das ist eine große Idee. Es hat für mich etwas sehr Erdendes, hier zu arbeiten.

Woran genau spürst du das?

Ich bin ausgeglichener. Gleichzeitig kann ich mich nicht entziehen, bin immer Teil des Komplexes cibaria. Die Themen, die hier eine Rolle spielen, ragen stark in meinen Alltag hinein. Ich setze mich inzwischen sehr bewusst mit der Frage auseinander: Was heißt gesunde Ernährung eigentlich für mich? Die Arbeit hier hat auch etwas Nährendes: nicht nur, dass ich zugenommen habe, seit ich hier arbeite –  hier gibt es einfach immer etwas Leckeres zu essen. Auch die warmen Farben überall, das viele Holz; da ist viel Geborgenheit.

Derzeit plant cibaria den Umzug von Produktion, Zentrale und Laden in ein weitaus größeres Gebäude am Hafen. Wird das Gefühl der Geborgenheit dort Bestand haben?

Das hängt sicher auch davon ab, wie wir dort ankommen. Ich bin da sehr zuversichtlich. Wir wollen wachsen. Wir wollen das aber auf eine Art und Weise tun, die uns guttut, die unseren Kundinnen guttut und unseren Wiederverkäuferinnen und Wiederverkäufern guttut.

In den letzten drei Monaten hast du cibaria intensiv von innen kennengelernt. Du hast in der Backstube, im Verkauf und in der Buchführung mitgearbeitet. Das klingt nach jeder Menge Input. Wie war das für dich?

Allein nachts in der Backstube zu arbeiten ist ein Erlebnis. Dann ist diese Arbeit körperlich sehr anstrengend; für mich als reine Kopfarbeiterin eine totale Umstellung. Beeindruckt hat mich außerdem die Teamarbeit beim Backen und die Tatsache, dass die Produkte im Endeffekt nicht sehr viel teurer sind - bei dieser immensen Handarbeit, die drinsteckt.

Was war deine wichtigste Erfahrung im Verkauf?

Das Vertrauen und die Sympathie, die mir entgegenkam, sobald ich das cibaria-Shirt an hatte.

Wo siehst du deine Hauptaufgabe im Team?

Im Oktober werden wir mit der Konzeption der Marketingstrategie für die kommenden Jahre starten. Außerdem bin ich daran beteiligt, ein Vertriebsteam aufzubauen. Insgesamt sind wir noch in der Phase des Ideenzusammentragens.

Mit was beschäftigst du dich derzeit konkret?

Im Moment lerne ich unsere Wiederverkäuferinnen und Wiederverkäufer persönlich kennen. Mit einigen von ihnen möchte ich eine Gruppe bilden, um sie einerseits mit verkaufsfördernden Maßnahmen zu unterstützen, aber auch um ein Feedback aus den Geschäften zu bekommen. Klar, die Biosupermärkte sind wichtig. Aber auch die inhabergeführten Bioläden sollen weiterhin eine Rolle spielen und gestärkt werden.

Soweit die Strategie für den Vertrieb. Wie sieht es mit der Kommunikation aus?

Wir werden cibarias Homepage überarbeiten und unseren Facebook-Kanal ausbauen, um mehr Gewicht auf den Austausch zu legen. Insgesamt fällt mir auf: Es gibt hier eine Fülle toller Themen, die mehr Schwerpunkte und noch mehr Außenkommunikation verdienen. Wie genau das aussehen wird, wissen wir noch nicht. Wir haben ein sehr erklärungsbedürftiges Produkt. Aber wenn man sich darauf einlässt, öffnen sich Welten.

Wo siehst du cibarias größte Herausforderungen in den nächsten zwei Jahren?

Ich möchte, dass wir sichtbarer und offener werden für das breite Publikum: cibaria ist nicht nur vollwertig, sondern eben auch enorm hochwertig und lecker. Außerdem wird der Umzug zum Hafen ein großer Aufbruch. Wichtig wird sein, das ganze Team mitzunehmen. Nicht alle finden Wachstum gut. Wie gehen wir damit um? Meine Position hier ist ja auch eine Art Zeitenwende. Mit mir als Marketingfrau setzt die Firma einen aktiven Schritt in Richtung Verkaufsförderung.

Wie meinst du das genau?

Mein Job ist die Vermarktung. Es geht nicht nur mehr um den Selbstzweck, ein gutes Produkt herzustellen, sondern darum, dieses Produkt für mehr Menschen zugänglich zu machen. Ich wurde tatsächlich schon gefragt, ob ich diesen Job mit meinem Gewissen vereinbaren könne. Aber natürlich geht das: Ich versuche dann Verständnis zu schaffen, eine Brücke zu schlagen.

Du bist eine junge Frau, Vertreterin einer neuen Generation. Welche Impulse bringst du ein?

Ich finde zum Beispiel Kapitalismus und Konsum erstmal nicht grundsätzlich verwerflich. Und in meiner Generation spielt Ernährung nochmal eine andere Rolle als früher: Lebensmittel und was wir essen hat oft etwas mit Identitätsfindung zu tun, Unverträglichkeiten und alternative Ernährungsweisen werden stärker gelebt. Da ist ein ganz neuer Markt entstanden.

Die letzte Frage lautet wie immer: Welches ist dein Lieblingsbrot von cibaria?

Der Hefezopf. Dazu ein bisschen Butter und einen Kaffee, herrlich. Inzwischen weiß ich ja auch, was es für eine Herausforderung ist, diesen Zopf bei der Herstellung gleichmäßig zu rollen und zu flechten. Das hat meine Verbindung zu diesem Brot maßgeblich beeinflusst.

 

Foto und Interview: Susanne Sparmann