Interview: Markt statt Management

Katja entschleunigt

Blazer, perfektes Make-up, hochgesteckte Haare - solche Bewerbungsfotos bekommen wir eher selten auf den Tisch. Verkaufstalent Katja Meyer-Zurwelle, ehrgeizig und leistungsorientiert, war gerade dabei als Produktmanagerin die Karriereleiter eines Agrar-Unternehmens zu erklimmen, als sie in die Bremsen trat und sich für das entschied, was ihr wichtiger war: ein gutes, gesundes Leben und das zu verkaufen, was sie selber mag. Seit einem Jahr arbeitet sie als Marktfrau für cibaria. An der frischen Luft und für nette Menschen wie Sie, liebe Leserin und lieber Leser. Wie geht es ihr heute?

 

cibaria: Katja, gab es einen bestimmten Moment, an dem du wusstest: Ich will mein Leben ändern?

Katja Meyer-Zurwelle: Gemerkt hatte ich das 2018 und zwar am ersten richtigen Frühlingstag. Ich ging gerade mit meinem Mann spazieren, aber im Kopf war ich weder bei ihm noch beim Vogelgezwitscher. Ich war einzig und allein mit meiner To-do-Liste beschäftigt und was alles noch nicht fertig ist, wenn das Frühjahr kommt. Da habe ich plötzlich gewusst: Das ist nicht richtig, das ist nicht mehr mein Leben.

Wie viele schlaflose Nächte hat dich die Entscheidung zur Kündigung danach gekostet?

Keine. Ich bin schon immer durch meine Willenskraft aufgefallen. Wenn ich im alten Job frühmorgens mit meinen Pumps energisch über den Parkplatz stöckelte, wurde ich bereits positiv auf meinen Elan angesprochen. Die hohen Absätze habe ich geliebt, hier machen sie nur keinen Sinn.

Warum hast du dich ausgerechnet bei cibaria beworben?

Tatsächlich habe ich mich ausschließlich bei cibaria beworben. Verkaufen war schon immer meine Leidenschaft, Bio-Lebensmittel auch. Brot und Backwaren von cibaria habe ich selbst konsumiert. Außerdem wollte ich raus an die frische Luft, es passte einfach alles. 

Und die finanzielle Seite? Wie hat sich die Entscheidung auf deinen Lebensstil ausgewirkt?

In meinem alten Job habe ich natürlich mehr verdient. Andererseits gibt man das Geld auch viel schneller aus. Ich hatte früher das Gefühl: Dafür, dass du so viel leistest, musst du dir auch was gönnen. Wir sind zum Beispiel oft essen gegangen. Klar, das ist auch Genuss. Aber eigentlich sitzt man da und ist platt.

Das Geld ist weniger geworden. Was hast du gewonnen?

Neue Möglichkeiten. Zeit. Einen freien Kopf. Wenn ich arbeite, arbeite ich und mache das total gerne. Wenn ich frei habe, habe ich wirklich frei. Ich habe jetzt viele Ideen. Und ich bin fitter geworden. Die Rushhour mit dem Auto hat ja noch nie Spaß gemacht. Also begann ich irgendwann, die 13 Kilometer zu cibaria zu radeln. Jeden Morgen, auch im Winter. Das ist großartig. Inzwischen ist mein Mann täglich dabei, inklusive Hemd zum Wechseln fürs Büro. Manchmal fahren wir händchenhaltend durch die Felder - bei Sonnenaufgang um halb 6 im Frühnebel.

Wie wichtig ist dir der Biogedanke?

Für mich ist Bio ist nicht gleich Bio. Das Bio-Siegel allein reicht nicht. Ich bin überzeugt davon, dass wir kleinere Kreisläufe brauchen, in der Landwirtschaft, aber auch im Handwerk. Es kommt auf die Kombination an: erfolgreich verkaufen, aber auch fair, sozial und hochwertig arbeiten. cibaria zeigt seit fast 30 Jahren, dass das möglich ist, wenn man es richtig kommuniziert. Extern, aber auch nach innen. Dieses Konzept überzeugt mich als Kundin und als Mitarbeiterin.

Gab es etwas, das dir bei der Umstellung auf den neuen Job schwerfiel?

Klar, ich musste schließlich mein Grundverhalten komplett verändern, das war nicht einfach. Ich war vom Effizienzgedanken beherrscht, wollte immer mehr von mir, mehr optimieren, mehr rausholen. Bei cibaria habe ich gelernt, dass es mir besser geht, wenn ich eins nach dem anderen mache und nicht dauernd auf die Uhr sehe. Auch privat. Warum muss ich auf dem Rad eigentlich immer schneller werden? Vielleicht muss ich ja eher langsamer werden. Oder diese riesigen stressigen Einkäufe zum Wochenende, die gibt es bei mir nicht mehr. Gekauft wird nur noch, was in die Fahrradtasche passt - und es funktioniert. 

Du bist inzwischen auch cibarias Verkostungsfrau.

Ja, und ich liebe es. Ich gucke mir die Menschen genau an und spreche jeden anders an. Manchmal auch humorvoll. Besonders die, die mitleidig gucken, weil sie denken, ich müsste einen Job machen, den ich sicher gar nicht machen will. Da muss ich immer lachen.

Wir haben wieder Frühling. Kannst du es genießen?

Und wie. Letzten Freitag haben mein Mann und ich uns nachmittags auf ein Eis in der Sonne getroffen und sind dann spontan zum Hafen geradelt, haben uns einfach nur unterhalten und uns wie irre darüber gefreut.

Schlussfrage: Welches ist dein Lieblingsbrot?

Ich habe mehrere, und das wechselt. Aktuell ist es die Salzburger Kruste. Ich liebe aber auch das Goldkorn und das HaferDinkel.

 

Interview: Susanne Sparmann