"So sollte unsere Welt sich entwickeln"

Frische Kräuter gibt es hier das ganze Jahr. Und das Wissen um ihre Kraft gleich dazu. Im Gremmendorfer Fruchtmarkt von Abdi und Iris Owji ist Einkaufen mehr als nur Lebensmittel in den Korb zu tun.

Hier wird miteinander gesprochen und gelacht, hier werden Kundinnen und Kunden beraten, wenn sie Allergien oder Unverträglichkeiten haben, hier wird Kräuterwissen vermittelt, werden Rezeptideen weitergegeben und eine ganz besondere Wertschätzung für Lebensmittel und den Handel.

Der Laden in der Gremmendorfer Einkaufszeile ist klein, das Sortiment auf den wenigen Quadratmetern erstaunlich groß: Obst, Kräuter und Gemüse, Antipasti, Oliven und Käse, internationale und persische Spezialitäten und Gewürze, Kaffee aus einer kleinen Gremmendorfer Rösterei, dazu ein wachsendes Bio-Sortiment mit Weinen, Säften, Cerealien, Babynahrung und natürlich cibaria-Brot.

„So sollte unsere Welt sich entwickeln", sagt Iris Owji, wenn sie erzählt, dass die Kundinnen und Kunden in ihrem Laden jetzt auch zweimal in der Woche Bio-Fleisch bestellen können. „Es ist gut, so einzukaufen", sagt sie, „sich vorher zu überlegen: Was will ich essen? Was will ich kochen? Man muss keine Vorräte anhäufen, die dann nicht verbraucht und weggeworfen werden. Gerade bei Fleisch macht es Sinn, es bewusst einzukaufen und bewusst einzusetzen."

Bevor Abdi Owji 2009 sein Geschäft in Gremmendorf eröffnete, war er Inhaber von Abdis Markthalle an der Grevener Straße im Kreuzviertel. Angefangen hatte seine Karriere als Gemüsehändler aber schon viel früher: 1982 begann er als Verkäufer in einem Obststand an der Grevener Straße sein Studium zu finanzieren. Mineralogie studierte der gebürtige Perser damals und wartete auf einen Medizin-Studienplatz. Sein Talent für den Handel, den Spaß am direkten Kontakt zur Kundschaft entdeckte er schnell - und sein Chef auch. Wo immer es einen Laden nach vorn zu bringen galt, wurde Abdi eingesetzt. „Er war ein echter Publikumsmagnet", sagt Iris Owji lachend. Irgendwann fiel die Entscheidung für den unternehmerischen Weg. Abdis Markthalle im Kreuzviertel wurde eine Institution. „Ich gehe zu Abdi", sagten die Leute, wenn sie Gemüse kaufen gingen. Als das Gelände 1997 neu bebaut wurde und Abdi seinen Standort verlieren sollte, protestierten die Kundinnen und Kunden, sammelten mehr als 5.000 Unterschriften innerhalb weniger Tage und erreichten, dass ihr Gemüsehändler bleiben konnte. Eine Lokalzeitung bemerkte: Abdi gehört ins Kreuzviertel wie die Kreuzkirche.

Dass er sich dennoch für den Umzug nach Gremmendorf entschied, hat private Gründe. Die Familie wohnt hier, die Wege zwischen Wohnung und Laden sind jetzt familienfreundlich kurz. Ein Publikumsmagnet ist Abdi auch hier geworden. „Mit seinem Wissen über die Wirkung von frischen Lebensmitteln und Gewürzen gilt er schon als Heiler von Gremmendorf", lacht seine Frau. „Wir sind hier angekommen." Die studierte Lebensmittelchemikerin hält inzwischen Vorträge über das Kochen mit frischen Kräutern, „Kochen ohne Tüte" heißen ihre Kochkurse in der Gemeinde. Noch eine Botschaft für anderen Konsum.