Karla Bäuerle - Die Teigversteherin

Wenn der Teig könnte, er würde schnurren. Denn unsere Bäckergesellin Karla Bäuerle arbeitet mit enormer Hingabe und Fingerspitzengefühl. Dabei wollte sie nach der Waldorfschule eigentlich Feldjägerin bei der Bundeswehr werden. Interessante Persönlichkeit? Das finden wir auch. Ein Gespräch über Intuition, Lieblingsmomente beim Backen und das Glück in der Morgenröte.

Karla, wirklich Feldjägerin? War das eine Art Gegenbewegung zur deiner Zeit in der Waldorfschule?

Karla Bäuerle: Nein, ich wollte schon immer etwas machen, was ungewöhnlich ist, etwas mit Körpereinsatz. Das hat mich sehr gereizt.

Und, hat es dir gefallen?

Das Körperliche schon. Aber ich habe schnell gemerkt, dass mir das Kasernenleben zu eintönig ist.

Wo hast du mehr Abwechslung gefunden?

Ich habe verschiedene Jobs getestet, zum Beispiel im Verkauf oder beim Personenschutz. Einige Monate war ich sogar als Deckmatrosin auf einem holländischen Passagierschiff unterwegs, inklusive Planken schrubben und Küchenarbeit. Aber natürlich wollte ich gerne eine richtige Ausbildung machen. Also fragte ich bei cibaria nach einem Praktikum. Nach zwei Wochen war klar: Das ist es.

Was gefällt Dir an dem Beruf der Bäckerin so gut?

Erstmal natürlich die körperliche Arbeit. Ich kann mich dabei richtig auspowern. Und ich genieße die Prozesse. Die einzelnen Brote aufarbeiten, in den Ofen, aus dem Ofen, Ergebnisse sehen!

Welcher ist dein Lieblingsmoment?

Ich arbeite wahnsinnig gern mit Teig. Es macht mich total zufrieden, ihn rund zu formen, in die Saat zu setzen, genau zu fühlen: wie ist der Teig, was braucht er.

Wie lernt man diese Sprache des Teiges?

Du bekommst mit der Zeit dein eigenes Teiggefühl, es entwickelt sich von Tag zu Tag. Bei Bäckerinnen läuft ganz viel über die Hände. Du spürst, ob der Teig noch Wasser braucht und ob die Temperatur stimmt. Ich glaube, jede gute Bäckerin und jeder gute Bäcker muss dieses Teiggefühl besitzen.

Gibt es in der Backstube nicht festgelegte Rezepturen für jedes Brot?

Sicher. Aber wir bei cibaria mahlen das Mehl ja selbst, und jede Charge ist ein wenig anders. Man muss auf vieles achten, selbst die Außentemperatur hat Auswirkungen. Dann hilft dir keine Rezeptur. Du musst immer wieder in den Kneter greifen und fühlen.

Das klingt nach einer intensiven Arbeit. Backst du manchmal in deinen Träumen weiter?

Nur wenn was schiefgelaufen ist. Das verfolgt mich. Ich will immer mein Bestes geben, es soll perfekt sein. Deshalb möchte ich jedem Teig extra Aufmerksamkeit zu geben. Und ja, das ist eine intensive Arbeit. Wenn man sich für diesen Beruf entscheidet, sollte man ganz dabei sein.

Wir alle wissen, frisches Brot bedeutet Nachtarbeit. In der ersten Teigposition startest du um 18,30 Uhr und bist gegen 2 Uhr früh fertig. Ist das schwierig?

Ich habe mich daran gewöhnt. Und ich habe dadurch meine ganz eigene Sicht auf den Tag. Wenn ich im Frühling aus der Backstube komme, schaue ich ins schöne Morgenrot. Dann fahre ich nach Hause, und alle anderen müssen raus. Hat was, oder?

 

 

Karla Bäuerle kommt eigentlich aus Pforzheim und zog der Liebe wegen nach Münster. Seit 2012 ist sie im cibaria-Team. Trotzdem lässt sie es sich nicht nehmen auch privat zu backen, „zum Beispiel an Geburtstagen die Schwarzwälder Kirschtorte nach Omas Rezept, das muss sein“.

Karlas Lieblingsbrot?

Das All-Inklusive, wegen der vielen Saaten und Nüsse. Am liebsten mag ich es mit Butter und Honig.“

 

Interview: Susanne Sparmann

 

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